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Vom Elend der Bäume

Verkehrssicherung an deutschen Straßen. Meterbreite Streifen ohne Vegetation. Was ist der Sinn dieses Kahlschlages? Verantwortung für die Natur, Irrtum: Es war der Baum, gegen den ich gefahren bin! Nicht, ich war zu schnell in der Kurve. Nein, der Baum ist als solcher der Übeltäter.

Und alle Ämter, vom ADAC bis zum Ministerium machen bei dem Kahlschlag mit. Ist ja auch billiger. Nur, können wir ohne die holzigen beblätterten Begleiter an Straßen seelisch überleben? Es ist erwiesen, dass Straßenbäume einen Großteil der autobedingten Schadstoffe eliminieren, dass sie den Menschen durchatmen lassen und der Seele zum Lächeln verhelfen. Aber gefällt werden sie trotzdem, oder, genau so schlimm, von Dilettanten aus ästebrechenden Hubsteigern mit Kettensägen Stück für Stück ruiniert. Artgerechte Pflege scheitert am Geld, Geld das beim Bau der Straße oder bei Kauf von Deutschlands liebstem Kind, dem Auto, fröhlich verschwendet wird.

Wo ist das Bewusstsein für die Notwendigkeit von Natur, für die lebensnotwendigen Bäume bei jederfrau und jedermann? Menschen, die aus den Ämtern und die Baumbesitzenden, lassen ohne Gewissensbisse zu, dass selbsternannte Fachleute den Bäumen ihre Form und ihr Wesen nehmen, nur noch Gerippe zurücklassen. Im Verhältnis zur Qualität ihrer Arbeit sind sie immer viel zu teuer, denn diese Menschen pflegen nicht, sie vernichten auf Kosten der Allgemeinheit. Ignoranz beim Ausführenden, Ignoranz und weggeworfene Verantwortung beim Bezahler. Wo ist das Bestreben, seinen Job so gut wie möglich zu tun? Wo sind der Stolz und der Mut, gerade zu stehen und deutlich zu sagen: „Das kann ich nicht tun!“? Und die Bäume? Sie stehen, ertragen, mahnen diejenigen, die sehen... und wachsen, so gut es eben geht... als ob sie uns ihr Wort gegeben haben, da zu sein sich!

Anja (Ronnia) Ueberschär
 

Ökologin aus Leidenschaft, lebt
dort, wo große Bäume stehen.

Trotz Studium der Forstwirtschaften war die Natur als materieller Wert nie ihr Ziel. Konservative Wertvorstellungen konnten sie nicht befriedigen. Für sie sind Bäume sehr viel mehr als nur Bretter, Balken oder Zellstoff. Anja Ueberschär ist professionelle Baumkletterin geworden. Sie hegt und pflegt nun kleine, große bis riesengroße Bäume europaweit. Sie richtet sich nach dem Wesen der Bäume, wenn sie behutsam die Säge im Feingeäst ansetzt. Der Erfolg ist groß, für den Baum wie für den Menschen. Seitdem ich klettere, sagt sie, erhalte ich den Wert des Baumes an sich, stelle die Harmonie zwischen Mensch und Baum wieder her. Ein guter Standpunkt.

 

...über den Wert
an sich!