Es ist Innovative Zukunftstechnologien
am Standort
Deutschland – Ein hoffnungsloser Fall?
Entschuldbar durch jugendlichen Leichtsinn war ich zu Beginn meiner
berufl ichen Laufbahn überzeugt, dass technische, gesellschaftliche
u.ä. Aufgaben auf der Basis rationaler Entscheidungsfi ndungen
gelöst werden. Wie sich innerhalb eines überschaubaren
Zeitraums – mit einer Vielzahl von Tiefschlägen – zeigte,
war dies ein grundlegender Irrtum und es stellt sich die zentrale
Frage: Spiele ich in diesem irrationalen, Gier, Neid und Eitelkeit
gesteuerten und häufi g zutiefst unmoralischen Zirkus mit oder
suche ich einen eigenen Weg? Jedoch zunächst einige Episoden,
die zum oben bereits skizzierten Erkenntnisprozess beitrugen.
Ausgangspunkt: Stellen Sie sich vor,
man bittet Sie, ein biotechnologisches Produkt bzw. Verfahren
zur umweltgerechten Vermeidung von Klärschlamm zu
vermarkten, welches nicht nur auf den ersten Blick unschlagbare
Eigenschaften aufweist: Interessanter Preis, bei einem
Marktpotential von etwa einer Milliarde Euro nur in Deutschland.
Das Verfahren wurde nach dem Vorbild der Natur entwickelt
und ist in jeder Hinsicht nachhaltig. Es ist auf nahezu
jeder bestehenden Kläranlage ohne Investitionsaufwand
einsetzbar u.v.m.. Die Liste ist deutlich verlängerbar,
wird aber an dieser Stelle geschlossen, um die Geduld
nicht über Gebühr zu strapazieren. Man sollte meinen, diese Eigenschaften würden
reichen, um die Fachwelt zu begeistern und eine effiziente Vermarktung
forcieren zu können. Es kam jedoch alles ganz anders…
In der öffentlichen Verwaltung
und in Großunternehmen wird sehr häufig die
Aussage strapaziert: „Wir brauchen eine saubere
Aktenlage“. Mit dem Resultat, dass alle Führungskräfte
Informationen sammeln wie die Hamster und ihre
Mitarbeiter es ihnen hochmotiviert gleichtun. Alles,
aber auch wirklich alles, wird mit deutscher Pedanterie
katalogisiert und abgeheftet.
Warum das alles? Weil jeder befürchtet, eines schönen Tages
Rechenschaft über die Grundlage seiner auf Unwissenheit basierenden
Entscheidung ablegen zu müssen. Verwaltung um der Verwaltung
willen, getrieben von der Angst einen Fehler zu machen und für
diesen Fehler womöglich selbst die Verantwortung tragen zu müssen.
Konsequenz: Es wird vermieden überhaupt etwas zu tun oder zumindest
abgewartet, ob sich durch kosmische Einflüsse die Dinge von
allein erledigen! Ökonomischer Nachtrag: Warum in der öffentlichen
Entsorgung Geld sparen? Wenn das Geld nicht reicht, erhöhen
wir eben die Gebühren. Das haben wir schon immer so gemacht.
Es muss doch auch in derartigen Strukturen kompetente, verantwortungsbewusste,
tatkräftige und unternehmerisch denkende Menschen geben, die
zum Wohle der Bürger oder ihres Großunternehmens faire
Geschäfte tätigen wollen?
Für den Fall, dass das Schicksal,
eine Entscheidung treffen zu müssen, absolut nicht
mehr abzuwenden ist, versucht man sich gerne durch die
Meinung eines dritten anerkannten Fachmanns abzusichern.
Jetzt wird erfahrungsgemäß der Ruf nach wissenschaftlicher
Expertise und unabhängiger Beurteilung laut. Man
wendet sich an qualifi zierte Hochschulen und Fachverbände.
Jetzt beginnt der spannende Tanz der Eitelkeiten auf
dem wissenschaftlichen Parkett. Für einen deutschen
Hochschul-Professor ist es scheinbar ehrenrührig
in einem Thema nicht firm zu sein und daher tun fast
alle, als hätten sie die Weisheit mit großen
Löffeln gefressen. Die Verhältnisse werden
nicht leichter, wenn man sich vor Augen führt, dass
wissenschaftliche Forschung in Deutschland positive Ergebnisse
zu Tage fördern muss, denn sonst gibt es für
den nächsten Antrag kein Geld mehr. Es ist somit
nicht verwunderlich, dass mit Vorliebe hochgradig innovative
Modeforschungen durchgeführt werden, deren Ergebnisse
bereits von anderen Kollegen mehrfach wissenschaftlich
abgesichert wurden. Auf der Suche nach öffentlichen
Forschungsgeldern sind die konkurrierenden Professoren
oft wechselseitig Gutachter und Antragsteller. Es bleibt
festzuhalten: Jedes innovative Produkt braucht ein wissenschaftliches
Zertifikat und vor allem einen offiziell anmutenden
Stempel, auch wenn die handlichen Gutachten im Telefonbuchformat
anschließend– mit an Sicherheit grenzender
Wahrscheinlichkeit – keiner liest. Die preußischen
Relikte aus der Vergangenheit haben scheinbar von ihrer
Omnipotenz nichts eingebüßt. Außerdem,
ohne eine gute Story lässt sich nichts vermarkten.
Fachchinesisch und umfangreicher theoretischer Unterbau
sind ein Muss. Es muss doch irgendwo Wissenschaftler
geben, die zuhören können, aus Neugierde auch
ungewöhnliche Themenstellungen bearbeiten und bereit
sind, komplexe Zusammenhänge verständlich darzustellen?
Lieblingsfrage: Haben Sie Referenzen
für Ihre Technologie? Antwort: Nein, noch nicht,
denn hier handelt es sich eben um eine Innovation und
es liegt in der Natur der Sache, dass sich eine Neuerung
noch nicht hundertfach im Alltag bewährt hat. Eine
sehr beliebte Frage ist in diesem Zusammenhang auch:
Haben Sie die Auswirkungen Ihres Produktes genau untersucht
und können Sie uns diese Untersuchungen zur Verfügung
stellen? Glauben die verehrten potentiellen Kunden und
Wissenschaftler denn allen Ernstes, dass bei der Einführung
des Erfolgsproduktes Ernstes, dass bei der Einführung
des Erfolgsproduktes Aspirin die Wirkungsweise und vielfältigen
Einsatzformen bereits erforscht und bis ins Detail bekannt
waren? Eine wirklich gute Idee ist häufig so einfach,
dass gerade „alte – meist fachblinde – Hasen“ nicht
zugeben können das sie gut ist, da sie sich sonst
die Frage gefallen lassen müssten, warum sie nicht
selbst drauf gekommen sind.
Alte Weisheit: Bei einem guten Geschäft
müssen beide Seiten einen Vorteil haben. Zu neudeutsch,
es muss eine„ WIN–WIN–Situation“ geschaffen
werden. Soweit, so gut. Dies ist aber leider nur die
halbe Wahrheit. Denn bei einem guten Geschäft müssen
die Entscheider einen persönlichen Vorteil haben.
Ein kleiner, aber sehr wichtiger Unterschied! Keiner
ist scheinbar mehr bereit, zunächst eine Leistung
zu erbringen und erst anschließend, gemessen am
Ergebnis, entlohnt zu werden. Wo bleibt die Begeisterungsfähigkeit
für neue Ideen und das Vertrauen, diese mit Partnern
umzusetzen? Ich habe den Eindruck, wir leben in einer
Bananenrepublik, ohne das die meisten dies bemerken.
Manche ältere Kollegen behaupten, dass mit Beginn
der Ära Kohl bzw. der Einführung des privaten
Fernsehens der Verfall moralischer Werte eingesetzt hätte.
Ich kann dies zu meinem Bedauern nicht beurteilen, denn
ich war noch zu jung.
Es werden bei den meisten Geschäften
vor Vertragsabschluss mit großer Mühe zig
seitenstarke Vertragswerke ausgearbeitet, die bei ehrlicher
Betrachtungsweise völlig wertlos sind, denn schlussendlich
entscheidet sowie die wirtschaftliche Lage über
juristischen Erfolg oder Misserfolg. Verhält man
sich bei diesen Vertragsverhandlungen anständig
und fair, wird dieses Verhalten sofort als Schwäche
betrachtet und man versucht, diese vermeintliche Schwäche
auszunutzen.
Ich habe die Schnauze voll von diesem
moralisch höchst fragwürdigen Geschäftszirkus.
Ich suche nach zuverlässigen Geschäftspartnern,
die respektvoll miteinander umgehen und deren Wort wie
Handschlag noch etwas gilt. Ein eigener Weg abseits des
Mainstream, das wäre was! Ich wünsche mir darüber
hinaus Partner, die wirklich zuhören und nicht nur
das hören, was sie hören wollen. Vielleicht
gelingt es dann wieder profitable Geschäfte mit
Innovationen zu tätigen, die allen Beteiligten wirklich
Spaß und Freude bereiten. Und dessen praktische
Ergebnisse endlich mal wieder gefeiert werden können!