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Oliver Stark
 


geschäftsführender Gesellschafter
der Stark Consult, Witten


Der leidenschaftliche Ingenieur mit dem Schwerpunkt Wasser und Entsorgung will nicht aufgeben, weil er zwei Motive hat. Einmal kämpft er für praktikablen und menschlichen Umweltschutz, dann für die seriöse Rendite eben genau aus dieser Arbeit. Er will nicht einsehen, dass großer Nutzen für die Umwelt nicht praktiziert wird, obwohl in diesem Nutzen auch ein Erlös für die Macher steckt und gleichzeitig gespart wird. Gerade er freut sich darauf, die Berger Faust Beamten und Unternehmen auf den Tisch zu knallen

 

...überden Sinn von geistiger Entsorgung!

Es ist Innovative Zukunftstechnologien am Standort
Deutschland – Ein hoffnungsloser Fall?


Entschuldbar durch jugendlichen Leichtsinn war ich zu Beginn meiner berufl ichen Laufbahn überzeugt, dass technische, gesellschaftliche u.ä. Aufgaben auf der Basis rationaler Entscheidungsfi ndungen gelöst werden. Wie sich innerhalb eines überschaubaren Zeitraums – mit einer Vielzahl von Tiefschlägen – zeigte, war dies ein grundlegender Irrtum und es stellt sich die zentrale Frage: Spiele ich in diesem irrationalen, Gier, Neid und Eitelkeit gesteuerten und häufi g zutiefst unmoralischen Zirkus mit oder suche ich einen eigenen Weg? Jedoch zunächst einige Episoden, die zum oben bereits skizzierten Erkenntnisprozess beitrugen.

Ausgangspunkt: Stellen Sie sich vor, man bittet Sie, ein biotechnologisches Produkt bzw. Verfahren zur umweltgerechten Vermeidung von Klärschlamm zu vermarkten, welches nicht nur auf den ersten Blick unschlagbare Eigenschaften aufweist: Interessanter Preis, bei einem Marktpotential von etwa einer Milliarde Euro nur in Deutschland. Das Verfahren wurde nach dem Vorbild der Natur entwickelt und ist in jeder Hinsicht nachhaltig. Es ist auf nahezu jeder bestehenden Kläranlage ohne Investitionsaufwand einsetzbar u.v.m.. Die Liste ist deutlich verlängerbar, wird aber an dieser Stelle geschlossen, um die Geduld nicht über Gebühr zu strapazieren. Man sollte meinen, diese Eigenschaften würden reichen, um die Fachwelt zu begeistern und eine effiziente Vermarktung forcieren zu können. Es kam jedoch alles ganz anders…

In der öffentlichen Verwaltung und in Großunternehmen wird sehr häufig die Aussage strapaziert: „Wir brauchen eine saubere Aktenlage“. Mit dem Resultat, dass alle Führungskräfte Informationen sammeln wie die Hamster und ihre Mitarbeiter es ihnen hochmotiviert gleichtun. Alles, aber auch wirklich alles, wird mit deutscher Pedanterie katalogisiert und abgeheftet. Warum das alles? Weil jeder befürchtet, eines schönen Tages Rechenschaft über die Grundlage seiner auf Unwissenheit basierenden Entscheidung ablegen zu müssen. Verwaltung um der Verwaltung willen, getrieben von der Angst einen Fehler zu machen und für diesen Fehler womöglich selbst die Verantwortung tragen zu müssen. Konsequenz: Es wird vermieden überhaupt etwas zu tun oder zumindest abgewartet, ob sich durch kosmische Einflüsse die Dinge von allein erledigen! Ökonomischer Nachtrag: Warum in der öffentlichen Entsorgung Geld sparen? Wenn das Geld nicht reicht, erhöhen wir eben die Gebühren. Das haben wir schon immer so gemacht. Es muss doch auch in derartigen Strukturen kompetente, verantwortungsbewusste, tatkräftige und unternehmerisch denkende Menschen geben, die zum Wohle der Bürger oder ihres Großunternehmens faire Geschäfte tätigen wollen?

Für den Fall, dass das Schicksal, eine Entscheidung treffen zu müssen, absolut nicht mehr abzuwenden ist, versucht man sich gerne durch die Meinung eines dritten anerkannten Fachmanns abzusichern. Jetzt wird erfahrungsgemäß der Ruf nach wissenschaftlicher Expertise und unabhängiger Beurteilung laut. Man wendet sich an qualifi zierte Hochschulen und Fachverbände. Jetzt beginnt der spannende Tanz der Eitelkeiten auf dem wissenschaftlichen Parkett. Für einen deutschen Hochschul-Professor ist es scheinbar ehrenrührig in einem Thema nicht firm zu sein und daher tun fast alle, als hätten sie die Weisheit mit großen Löffeln gefressen. Die Verhältnisse werden nicht leichter, wenn man sich vor Augen führt, dass wissenschaftliche Forschung in Deutschland positive Ergebnisse zu Tage fördern muss, denn sonst gibt es für den nächsten Antrag kein Geld mehr. Es ist somit nicht verwunderlich, dass mit Vorliebe hochgradig innovative Modeforschungen durchgeführt werden, deren Ergebnisse bereits von anderen Kollegen mehrfach wissenschaftlich abgesichert wurden. Auf der Suche nach öffentlichen Forschungsgeldern sind die konkurrierenden Professoren oft wechselseitig Gutachter und Antragsteller. Es bleibt festzuhalten: Jedes innovative Produkt braucht ein wissenschaftliches Zertifikat und vor allem einen offiziell anmutenden Stempel, auch wenn die handlichen Gutachten im Telefonbuchformat anschließend– mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit – keiner liest. Die preußischen Relikte aus der Vergangenheit haben scheinbar von ihrer Omnipotenz nichts eingebüßt. Außerdem, ohne eine gute Story lässt sich nichts vermarkten. Fachchinesisch und umfangreicher theoretischer Unterbau sind ein Muss. Es muss doch irgendwo Wissenschaftler geben, die zuhören können, aus Neugierde auch ungewöhnliche Themenstellungen bearbeiten und bereit sind, komplexe Zusammenhänge verständlich darzustellen?

Lieblingsfrage: Haben Sie Referenzen für Ihre Technologie? Antwort: Nein, noch nicht, denn hier handelt es sich eben um eine Innovation und es liegt in der Natur der Sache, dass sich eine Neuerung noch nicht hundertfach im Alltag bewährt hat. Eine sehr beliebte Frage ist in diesem Zusammenhang auch: Haben Sie die Auswirkungen Ihres Produktes genau untersucht und können Sie uns diese Untersuchungen zur Verfügung stellen? Glauben die verehrten potentiellen Kunden und Wissenschaftler denn allen Ernstes, dass bei der Einführung des Erfolgsproduktes Ernstes, dass bei der Einführung des Erfolgsproduktes Aspirin die Wirkungsweise und vielfältigen Einsatzformen bereits erforscht und bis ins Detail bekannt waren? Eine wirklich gute Idee ist häufig so einfach, dass gerade „alte – meist fachblinde – Hasen“ nicht zugeben können das sie gut ist, da sie sich sonst die Frage gefallen lassen müssten, warum sie nicht selbst drauf gekommen sind.

Alte Weisheit: Bei einem guten Geschäft müssen beide Seiten einen Vorteil haben. Zu neudeutsch, es muss eine„ WIN–WIN–Situation“ geschaffen werden. Soweit, so gut. Dies ist aber leider nur die halbe Wahrheit. Denn bei einem guten Geschäft müssen die Entscheider einen persönlichen Vorteil haben. Ein kleiner, aber sehr wichtiger Unterschied! Keiner ist scheinbar mehr bereit, zunächst eine Leistung zu erbringen und erst anschließend, gemessen am Ergebnis, entlohnt zu werden. Wo bleibt die Begeisterungsfähigkeit für neue Ideen und das Vertrauen, diese mit Partnern umzusetzen? Ich habe den Eindruck, wir leben in einer Bananenrepublik, ohne das die meisten dies bemerken. Manche ältere Kollegen behaupten, dass mit Beginn der Ära Kohl bzw. der Einführung des privaten Fernsehens der Verfall moralischer Werte eingesetzt hätte. Ich kann dies zu meinem Bedauern nicht beurteilen, denn ich war noch zu jung.

Es werden bei den meisten Geschäften vor Vertragsabschluss mit großer Mühe zig seitenstarke Vertragswerke ausgearbeitet, die bei ehrlicher Betrachtungsweise völlig wertlos sind, denn schlussendlich entscheidet sowie die wirtschaftliche Lage über juristischen Erfolg oder Misserfolg. Verhält man sich bei diesen Vertragsverhandlungen anständig und fair, wird dieses Verhalten sofort als Schwäche betrachtet und man versucht, diese vermeintliche Schwäche auszunutzen.

Ich habe die Schnauze voll von diesem moralisch höchst fragwürdigen Geschäftszirkus. Ich suche nach zuverlässigen Geschäftspartnern, die respektvoll miteinander umgehen und deren Wort wie Handschlag noch etwas gilt. Ein eigener Weg abseits des Mainstream, das wäre was! Ich wünsche mir darüber hinaus Partner, die wirklich zuhören und nicht nur das hören, was sie hören wollen. Vielleicht gelingt es dann wieder profitable Geschäfte mit Innovationen zu tätigen, die allen Beteiligten wirklich Spaß und Freude bereiten. Und dessen praktische Ergebnisse endlich mal wieder gefeiert werden können!