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Eine Ausstellung



Wer in den Gefilden eines Museums der hehren Kunst frönt, wird kaum glauben, dass in einigen dieser Kulturtempel soziale Strukturen herrschen, zu denen kein Vergleich passt. Bestimmte Museen mit der Ruppigkeit eines seriösen Schlachthauses zu vergleichen, wäre eine Beleidigung, für das Schlachthaus! Denn dort geht es fair, menschlich und sachlich zu. Aber hinter den kulturbeflissenen Kulissen? Es ist der Zeitgeist, das Künstler immer noch auf den letzten Stufe stehen, wenn korrekte Verabredungen umgesetzt werden sollen. Das Spiel beginnt mit grandiosen Versprechen, mit garantierter Aussicht auf Erfolg, mit einem garantierten fulminanten Karrierestart, denn wir sind die Macher, wir beherrschen den Markt, vertrau Dich uns an, Du wirst berühmt. Es gibt keinen jungen Künstler, der diesen Versprechungen widerstehen könnte, auch das Ablehnen eines Vertrages, das haben wir doch nicht nötig, wird geschluckt. Übrigens, Du machst doch den Transport, und bau die Ausstellung auch auf, das kannst Du am besten, ja, und bring uns alle Fotos und Texte vorbei, für den Katalog, und da das ja Deine Eröffnung ist, solltest Du auch den Redner bezahlen.

Die Euphorie ausstellen zu dürfen, das Pampern der Eitelkeit, der Traum vom Erfolg haben dazu geführt, dass geschuftet wurde bis zum Umfallen, niemand hat gemeckert, und das Geld sollte ja zurück gezahlt werden. Alles Ammenmärchen. Natürlich gab es einen Katalog, mit vielen Fehlern, in so winziger Auflage, dass die Druckrechnung höher nicht sein konnte. Und der Rest: Alle Verabredungen wurden geleugnet, es gab Streit, der noch lange nicht beendet ist. Geblieben ist Frust, gepaart mit Wut. Wenn sich im harten Business die Menschen belügen und betrügen, dann ist dies zwar für uns unerträglich, gehört aber zum normalen Geschäft und ist beiden Seiten bekannt. Aber wenn Museums Direktoren wissentlich die Künstler belügen und sie in den Ruin treiben, was ist das denn? Die Neue Moral im Sinne der Kultur? Staatsaufgabe, um den Etat zu schonen? Es ist auf jeden Fall widerlich, besonders widerlich, weil die Kunst das Mäntelchen für verlogene Energie liefern muss. Zweifelt noch jemand daran, dass ich die Schnauze voll habe? Wer Wissenswertes über meine letzte Ausstellung erfahren möchte, rufe doch bitte an.
leiden!

Thomas Kühnapfel
 

Bildhauer, Rees

Das Dilemma vieler Künstler ist oft das fehlende Handwerk. Überall scheint Gebasteltes durch, Unfertigkeit wird mit der Freiheit der Kunst entschuldigt. Thomas Kühnapfel hat damit nichts zu tun, er komponiert seine Skulpturen in aller Freiheit und setzt sie dann stringent und auf den Punkt genau um. Nicht mehr, nicht weniger, konsequent und ohne Kompromisse. Die mühelos wirkenden Arbeiten überzeugen durch den Inhalt und begeistern durch ihre Leichtigkeit des Seins. Der Rest ist tägliche Fronarbeit.

 

...über die Lust
zu leiden!