Verlust der Kommunikation
Verlust der Kommunikation Es macht mich regelmäßig
wütend, wenn ich auf den verloren gegangenen Willen
stoße, vernünftig miteinander umzugehen, weil
die Kommunikation keinen offensichtlichen Nutzen mehr verspricht.
Die einseitige Verweigerung des miteinander Kommunizierens
ist mir immer in den Situationen bewusst geworden, in denen
zunächst ein ausgeglichenes Machtverhältnis bestand
und Kommunikation zeitweise die Befriedigung von beiderseitigen
Bedürfnissen versprach (Warenaustausch, Leistungsaustausch,
etc.). Dieser Austausch endete jedoch immer dann abrupt
und ohne Begründung, wenn eine Seite für sich
feststellte, dass sich ein weiterer Umgang miteinander
nicht mehr „lohnt“, aus welchen Gründen
auch immer. Alle verabredeten und bis dahin gelebten Verhaltensregeln
werden sofort außer acht gelassen. Ich habe dieses
Verstummen stets als Missachtung des Kommunikationspartners
und als falsch verstandene Effizienz verstanden. Ich frage
mich seit langem und immer öfter, wie sich Kommunikation
in den nächsten Jahren entwickeln wird. Vermutlich
wird sie noch rauer, wahrscheinlich sogar beleidigend werden.
Nur wenn das vorgefertigte Bild vom angestrebten Ergebnis
effizient erreichbar erscheint, wird man sich auf einen
anderen Menschen einlassen, natürlich ohne Verantwortung
zu übernehmen. Nur noch wenig Spielraum wird Unerwartetem,
sich nicht an kurzfristigen Zielen orientiertem Denken
eingeräumt. Der abhängige Mensch wird zur Ware
mit täglichen Verfallsdatum.
Es scheint, dass der Verlust der
individuellen Kultur, die immer mehr durch TV-Konsum
ersetzt wird, gar nicht als Verlust empfunden wird,
da die Lust zu konsumieren attraktiver erscheint.
Mit der Verdummung ist der „Betroffene“ irgendwann
nicht mehr in der Lage, diesen kulturellen Verlust
als Makel zu empfinden, da die Befriedigung über
den Spaßfaktor erfolgt und nicht über
den Inhalt. Greift dieses Konsumverhalten auf ein
Unternehmen über, darf sich niemand wundern,
dass Menschlichkeit durch egoistischen Konsum ersetzt
wird. Wohin das führt, hat garantiert jeder
Leser dieser Zeilen schon an Haut und Haaren erfahren.
Ob Sie, Konsumjunkie?, dies noch feststellen können,
können nicht einmal mehr Sie entscheiden!