www.stadtdeslaechelns.de
- Mittwoch, 14. Juli 2004
Über die Berger GmbH
Die Berger GmbH besteht seit 101 Jahren - in der vierten Generation.
Der Betrieb steht auf zwei Säulen: Einmal ist dies der Bereich der Werbetechnik.
Das zweite Standbein ist ein Metallbaubetrieb, in dem man Fenster,
Türen und Wintergärten herstellt. Die Berger GmbH hat sich in den letzten Jahren
zu einem Anbieter entwickelt, der diese beiden Bereiche abdeckt. So hat der Betrieb
am Düsseldorfer Flughafen viele der Theken und Bars aus Edelstahl, Glas und Licht
produziert.
Thomas Berger ist Diplom-Physiker und Geschäftsführer.
In seinem Betrieb beschäftigt er 65 Mitarbeiter.
Elita Wiegand sprach mit Thomas Berger
"Schnauze voll!“ Mit dieser Aktion werben Sie für mehr Vertrauen im
Geschäftsleben. Wovon haben Sie die Schnauze voll?
Auch bei uns ist die allgemeine Wirtschaftsflaute nicht spurlos vorüber gegangen.
Wir haben versucht, die Aufträge, die uns weggebrochen sind, über Ausschreibungen
wieder aufzuholen. Das ist uns teilweise gelungen. Wir haben bis heute keinen
Mitarbeiter wegen Arbeitsmangel entlassen
müssen. In der letzten Zeit jedoch haben uns viele zahlungsunwillige Kunden ausgetrickst.
Die Fälle häuften sich. Wir mussten ellenlange
Verträge, die manchmal mehr als 70 Seiten umfassten, unterschreiben.
Die Verträge sind mit Gemeinheiten gespickt, die alle nur das Ziel haben, die
Kosten zu senken und die Rechnung nicht so zu bezahlen, wie wir sie gestellt
haben. Ich verbringe 70 Prozent meiner Arbeitszeit damit, dem Geld hinterherzulaufen.
Dazu gehört, dass ich Mahnungen
schreibe, mich mit Rechtsanwälten auseinandersetze, mit Kunden über Reklamationen
diskutiere, die keine sind. Ich muss jeden Tag neue juristische vertragliche
Spitzfindigkeiten herausfinden und mich mit den Vertragspartnern herumschlagen.
Mit Basel II im Nacken wurde mir bewusst, dass wir immer weniger Geld verdienen
und irgendwann vor dem
Ruin stehen. Das war die Initialzündung für unsere Aktion. Wir haben
den Begriff „Schnauze voll“ gewählt, um einen Paukenschlag zu
initiieren.
Sie beklagen also den Werteverfall und das Misstrauen?
Ja, früher ging es mit Handschlag, weil man der Leistung des Betriebes vertraute.
Handwerker arbeiten auf Vertrauensbasis. Es geht darum, die
Bedürfnisse des Kunden zu erkennen und in Gesprächen herauszuarbeiten.
Früher hat die Kompetenz ausgereicht, um ein Geschäft abzuschließen, weil die
Geschäftbeziehungen auf Vertrauen basierten. Wir bekamen eine Aufgabe, die wir
im Sinne des Kunden gelöst haben. Beide Seiten waren zufrieden und die Arbeit
hat Spaß gemacht.
Was sind Ihrer Meinung die Gründe dafür, dass heute die vertrauensvolle Zusammenarbeit
keine Bedeutung mehr hat?
In großen Unternehmen gibt es heute kaum noch Entscheidungsträger.
Die Menschen stehen nicht mehr zu ihrem Wort und ihren Entscheidungen. Jeder
ist gehalten, immer die Schuld bei anderen zu suchen. Hinzu kommt
der „Geiz ist geil – Effekt“. Es wird gefeilscht und gehandelt,
weil jeder glaubt, dass man es doch noch billiger bekommt. Ich glaube auch, dass
wir mit der Abschaffung der über 50-jährigen in den Betrieben einen Riesenfehler
machen. Jetzt haben wir mit jungen Chefs zu tun, die
zwar über ein großes theoretisches Fachwissen verfügen, aber über Null Erfahrung
verfügen. Diese jungen Mitarbeiter müssen sich profilieren und nutzen ihr einseitiges
Wissen im Vertragsrecht, um Pluspunkte zu
sammeln.
Können Sie uns ein konkretes Beispiel für Ihren Unmut nennen?
Es gibt Unternehmen, die ganz bewusst die Vielfalt an Gesetzen und Vorschriften
ausnutzen. In den juristischen Abteilungen werden gezielt
Fallstricke efunden.
Wir haben zum Beispiel für ein Einkaufszentrum gearbeitet. Die Ausschreibung
haben wir über einen Architekten bekommen und haben die
Verhandlungen über den Architekten geführt - bis zur Schlussabnahme war er unser
Ansprechpartner. Als wir ihm die Rechnung stellten, zahlte er nicht. Wir haben
gegen den Auftraggeber geklagt. Der gegnerische Anwalt sagte uns dann in dem
Gerichtsverfahren, dass der Architekt nicht
bevollmächtig gewesen sei. Wir fühlten uns total abgezockt, hatten eine Stinkwut
und mussten dem Vergleich zustimmen.
Welche Reaktionen haben Sie auf Ihre Aktion erhalten?
Die Reaktionen sind überwältigend. Wir haben sehr viele Mails und Anrufe erhalten
und 99 Prozent der Menschen loben die Aktion.
Wir haben offensichtlich in ein Wespennetz gestochen, weil es vielen Unternehmern
und Handwerkern ähnlich geht. Uns haben auch Sachbearbeiter geschrieben, die
uns mitteilten, dass ihnen von oben
befohlen werde, den Preis zu drücken. Es gibt immer mehr Sacharbeiter, die dazu
gezwungen werden, sämtliche juristische Möglichkeiten zu nutzen, um die Kosten
zu senken! Die haben auch die Schnauze voll, aber
die können sich natürlich aus Angst nicht outen.
Was wollen Sie mit der Aktion langfristig erreichen?
Meine Wunschvorstellung ist es, dass viele Menschen gestärkt aufstehen und sich
dagegen wehren.
Ich wünsche mir, dass wir wieder menschlich miteinander umgehen. Es geht auch
darum, dass in den Firmen die Entscheidungen nicht abgewälzt werden, sondern
dass wir wieder lernen, Verantwortung zu übernehmen. Der Wert der Arbeit muss
im Vordergrund stehen und muss folglich auch
bezahlt werden. Wir können nicht ständig gute Qualität liefern, bekommen aber
nur 80 Prozent der Kosten. Das hält kein Unternehmen auf die Dauer durch. Man
darf sich nicht billig verkaufen.
Das Ziel der Kampagne ist es auch, neue Kunden zu finden. Kunden, mit denen man
von Anfang an auf Augenhöhe redet. Nicht über den Preis,
sondern über den Wert und die Qualität der Arbeit.
Neben dem Ärger mit den Kunden, werden Unternehmer auch mit
Bürokratismus blockiert. Was wünschen Sie sich, damit die Arbeit wieder mehr
Freude macht?
Natürlich blockieren die bürokratischen Hürden jeden Chef. Ich möchte viel mehr
ein Unternehmer sein und über Strömungen, Trends und Neuentwicklungen nachdenken,
als mich tagtäglich über den Papierkram zu ärgern. Ich muss mich mit dem Finanzamt
oder mit Ämtern herumschlagen
und bin sauer über Kunden, die unberechtigte Forderungen aufstellen. Das Wichtigste
ist, dass ich morgens motiviert zu Arbeit fahre. Ich habe mir trotz der Schwierigkeiten
immer die Freiheit genommen, kreativ zu sein. Wir haben in unserem Betrieb viele
gute Ideen, die wir umsetzen. Deshalb sind wir immer einen Schritt voraus und
damit
natürlich auch innovativ. Uns machen Herausforderungen Spaß und wir freuen uns
besonders über Aufgaben, die nicht so leicht zu lösen sind.
Berger GmbH
Thomas Berger
Friedrichstr.80
41475 Kamp-Linfort
www.berger-gmbh.de
Die Berger Faust Aktion
www.berger-faust.com
eMail:
thomas@berger-gmbh.de
© 2003
Stadt des Lächelns-
Erfolg verbindet |