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Online-Bericht vom 03.06.2004


Der ganz alltägliche Beschiss


 ©Berger GmbH 
„Wir haben die Schnauze voll.“ Der flapsige Titel der Initiative des Unternehmers Thomas Berger hat für ein enormes Medienecho gesorgt. Bergers Ziel: Er will den Begriffen „Vertrauen und Partnerschaft“ neues Leben einhauchen. Es ist der ganz alltägliche Beschiss, den der Handwerksmeister nicht länger ertragen mag.

Bergers größter Wunsch klingt eigentlich ganz einfach: „Spaß an der Arbeit.“ Doch die Wirklichkeit sieht häufig anders aus. Sobald er seinen Betrieb im nordrhein-westfälischen Kamp-Lintfort betritt, muss er sich mit den Widrigkeiten des Geschäftslebens abplagen. Mit Kunden, die Rechnungen vorsätzlich verschleppen. Mit Juristen, die jede rechtliche Hintertür nutzen, um Preise zu drücken.

„Ich habe die Schnauze voll, weil ich mich nicht mehr meinem Handwerk widmen kann, sondern meine Kreativität in Formalien investieren muss, die letztlich überflüssig sind“, sagt Berger.

Mit seinen knapp 70 Mitarbeitern hat sich der Handwerksmeister erfolgreich auf die Gestaltung und Produktion auwändiger Glasfassaden, von Wintergärten, Fenstern, Türen, aber auch von Schildern und von Leuchtreklame spezialisiert. Jetzt konnte er das Know-How für eigene Zwecke umsetzen: Ein meterhohes Schild mit der Berger-Faust – dem Emblem der Aktion – prangt an der Front seines Firmengebäudes. Daneben hängen die Porträts von sechs befreundeten Unternehmern, die seine Kampagne unterstützen.

Berger wird seinem eigenen moralischen Anspruch gerecht, indem er die interne Auftragsabwicklung seines Unternehmens geöffnet hat. Auftraggeber in spe erhalten ein Passwort und können die Kalkulation eines Auftrages bis ins Detail nachvollziehen. Die Kunden erfahren die Einkaufspreise, die Höhe möglicher Aufschläge, den Zeitaufwand. Sie können an diesen Zahlen ablesen, mit welchem Risiko die Berger GmbH arbeitet – und welchen Gewinn ein Auftrag einbringt.

ZDF, RTL, Frankfurter Rundschau ... die Liste der Sender und Zeitungen, die auf die Kampagne angesprungen sind, ließe sich noch lange fortsetzen. Und das ist kein Zufall, denn Berger hat seine Initiative von langer Hand mit dem Künstler und Unternehmensberater Jürgen Vogdt vorbereitet.

Der erste konkrete Erfolg habe sich bereits eingestellt, sagt Vogdt: „Die Stimmung im Unternehmen ist besser geworden, wir gehen wieder offener auf die Kunden zu.“ Und dann erinnert er sich kopfschüttelnd an den „5000-Euro-Auftrag, an dem 70 Seiten Kleingedrucktes hingen“. Bei einem relativ großen Schild wollte ein Auftraggeber zu einer Rechnungskürzung von 25 Prozent berechtigt sein, wenn die Achsen mehr als 1,5 Millimeter aus der Flucht gewesen wären: „So etwas kann keiner unterschreiben, mit dieser Art von Geschäften wollen wir nichts mehr zu tun haben.“
 
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