„Wir haben die Schnauze voll.“ Der
flapsige Titel der Initiative des Unternehmers Thomas Berger
hat für ein enormes Medienecho gesorgt. Bergers Ziel: Er will
den Begriffen „Vertrauen und Partnerschaft“ neues
Leben einhauchen. Es ist der ganz alltägliche Beschiss, den der
Handwerksmeister nicht länger ertragen mag.
Bergers größter Wunsch klingt eigentlich ganz einfach: „Spaß an der Arbeit.“ Doch
die Wirklichkeit sieht häufig anders aus. Sobald er seinen Betrieb im nordrhein-westfälischen
Kamp-Lintfort betritt, muss er sich mit den Widrigkeiten des Geschäftslebens
abplagen. Mit Kunden, die Rechnungen vorsätzlich verschleppen. Mit Juristen,
die jede rechtliche Hintertür nutzen, um Preise zu drücken.
„Ich habe die Schnauze voll, weil ich mich nicht mehr meinem Handwerk widmen
kann, sondern meine Kreativität in Formalien investieren muss, die letztlich überflüssig
sind“, sagt Berger.
Mit seinen knapp 70 Mitarbeitern hat sich der Handwerksmeister erfolgreich
auf die Gestaltung und Produktion auwändiger Glasfassaden, von Wintergärten,
Fenstern, Türen, aber auch von Schildern und von Leuchtreklame spezialisiert.
Jetzt konnte er das Know-How für eigene Zwecke umsetzen: Ein meterhohes Schild
mit der Berger-Faust – dem Emblem der Aktion – prangt an der Front
seines Firmengebäudes. Daneben hängen die Porträts von sechs befreundeten Unternehmern,
die seine Kampagne unterstützen.
Berger wird seinem eigenen moralischen Anspruch gerecht, indem er die interne
Auftragsabwicklung seines Unternehmens geöffnet hat. Auftraggeber in spe erhalten
ein Passwort und können die Kalkulation eines Auftrages bis ins Detail nachvollziehen.
Die Kunden erfahren die Einkaufspreise, die Höhe möglicher Aufschläge, den
Zeitaufwand. Sie können an diesen Zahlen ablesen, mit welchem Risiko die Berger
GmbH arbeitet – und welchen Gewinn ein Auftrag einbringt.
ZDF, RTL, Frankfurter Rundschau ... die Liste der Sender und Zeitungen, die
auf die Kampagne angesprungen sind, ließe sich noch lange fortsetzen. Und das
ist kein Zufall, denn Berger hat seine Initiative von langer Hand mit dem Künstler
und Unternehmensberater Jürgen Vogdt vorbereitet.
Der erste konkrete Erfolg habe sich bereits eingestellt, sagt Vogdt: „Die
Stimmung im Unternehmen ist besser geworden, wir gehen wieder offener auf die
Kunden zu.“ Und dann erinnert er sich kopfschüttelnd an den „5000-Euro-Auftrag,
an dem 70 Seiten Kleingedrucktes hingen“. Bei einem relativ großen Schild
wollte ein Auftraggeber zu einer Rechnungskürzung von 25 Prozent berechtigt
sein, wenn die Achsen mehr als 1,5 Millimeter aus der Flucht gewesen wären: „So
etwas kann keiner unterschreiben, mit dieser Art von Geschäften wollen wir
nichts mehr zu tun haben.“














